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Weich wie Stein

15. Juni- 31. Juli 2024

Ulrike Buck

Foto: Ulrike Buck_Vase-Salzglasur

Eröffnung: Freitag, 14. Juni 2024, 18 Uhr

Begleitveranstaltung: Mittwoch, 31. Juli 2024, 15 Uhr

Ulrike Buck erschafft mit ihren Händen große Gefäße aus Ton. Sie interessiert sich für das Gefäß als Urform der Kunst und eine der ältesten Kulturtechniken, die sich direkt mit der Geologie der Erde beschäftigt. Die Künstlerin erforscht die Zusammensetzung ihrer Materialien und stellt ihre Glasuren selbst aus teils eigens gesammelten Rohstoffen, Mineralien und Gesteinen her. Das Gefäß symbolisiert für sie die Einheit von Erde, Körper, Handwerk, Technik, Kultur und Kunst. Geprägt ist dieses Interesse durch ihre Herkunft aus einer bäuerlich-handwerklichen Familie. So verfolgt sie die Idee einer erneuten Zusammenführung von Kunst und Leben, wie sie auch schon das Bauhaus zu verwirklichen suchte.

Buck bearbeitet und verformt Materie. Dabei sieht sie ihr Handwerk als synästhetische Form der Wahrnehmung und Mittel der Energieübertragung zwischen Material, Körpern und Bewusstsein und sucht in einer postindustriellen Welt nach zeitlosem Menschsein. Diese Ausstellung zeigt insbesondere die Ergebnisse ihrer Arbeit aus den vergangenen Jahren, die Keramik und Malerei vereint. Die Wahrnehmung soll explizit auch haptisch stattfinden. Besucher*innen sind eingeladen die Werke multisinnlich zu betrachten und zu reflektieren. Auf den Labels finden sich außerdem explizit außergewöhnliche Informationen zu den Werken, die mit der gängigen Praxis brechen und andere Gedanken bei der Betrachtung der Ausstellung mit auf den Weg geben sollen.

Der vordere Raum, der durch die Glasfront zum öffentlichen Raum geöffnet ist, dient zu Beginn der Ausstellung als Bühne. An zwei Tagen entsteht hier am 11. Und 13. Juni als Kunstperformance eine große Keramik, Passant*innen können dabei zusehen und den Prozess erleben. Anschließend bleibt sie für den Zeitraum der Ausstellung und wird erst nach deren Ende gebrannt und somit fertig gestellt.  

Der sich öffnende Wahrnehmungsraum wird erweitert durch Ölmalereien auf Leinwand. Die ikonisch plakativ dargestellten Früchte der Erde lassen sich irgendwo zwischen Pop Art, Bauernmalerei, Stillleben und Werbemalerei verorten.

An der Wand im Zwischenraum begegnen wir einer eigentümlichen Sammlung an Porzellanabgüssen mit Gurken und Ei-Motiv. An Ofenkacheln erinnernde Formen tragen die charakteristischen Spuren von Holz- und Salzbrennöfen.   

Ein Ensemble aus Gefäßen findet sich im hinteren Teil der Galerie. Sie entstanden überwiegend im Jahr 2022. Nun ausgestellt auf bemalten bunten Tischecken lassen sie ein surreales, etwas überdimensioniertes sommerliches Ambiente entstehen, das Assoziationen an Märchen weckt. Die Künstlerin erstellte diese Tischdeckenmalereien inspiriert von Mustern des Modernismus und ihrem aktuellen Zweitatelier auf einem Bergbauernhof in Südtirol.  

Wir sehen eine weitere Perspektive auf das diesjährige Jahresthema Handwerk als körperlich-sinnliche Tätigkeit und den Prozess als Einheit von Kunst und Leben.

Text: Rebecca Stoll