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Fenster zum Horizont. Achim Freyer
Malerei

30. April bis 18. Juni

Fenster zum Horizont – Malerei von Achim Freyer in der Galerie Bernau

Für Freitag, 29. April, 19 Uhr lädt die Galerie Bernau zu einer besonderen Ausstellungseröffnung ein. In ihren Räumen in der Bürgermeisterstraße 4 präsentiert das Berliner Multitalent Achim Freyer einen Einblick in sein aktuelles malerisches Schaffen.

Nur wenige Künstler sind so umfassend in vielerlei Sparten unterwegs wie Achim Freyer. Einst postulierte er, Künstler würde man durch Not.[1] Das meint das Getriebensein zum sich künstlerisch entäußern Müssen: Ideen, Bildern, Raumvorstellungen einen Platz in der realen Welt zu verschaffen. Ganz offensichtlich ein Getriebener ist Achim Freyer und dies in Maßlosigkeit; als Bühnenbildner, Theatermacher, Bildender Künstler, Sammler oder Kunstvermittler. Auf Theaterbühnen der Welt, hat er sich einen Namen gemacht durch das Erschaffen von Bühnenwelten, welche als herausragende Seh-Räume gerühmt wurden und werden. Diese füllt er weiterhin, aktuell in Wien, Mannheim, Linz und Berlin; ein Theaterbesessener. Seinen Inszenierungen wird ein ihnen innewohnendes Denken in Bildern nachgesagt. Das speist sich in gegenseitiger Befruchtung aus seinem parallel betriebenen Bilder-Erschaffen. Der langjährige Professor der Hochschule der Künste Berlin versteht sich aber zuerst als Maler. Achim Freyers malerisches wie auch sein zeichnerisches Werk widerspiegelt die Auseinandersetzung mit allen künstlerischen Strömungen der letzten Jahrzehnte, immer einen eigenen Kontrapost setzend. Immer geht es weiter und dennoch bleibt er stets im Jetzt, auch wenn er sich mit dem Werk früherer Künstler auseinander setzt, wie in der „Hommage an Heckel“. Bei allen Anklängen des Fremden bleiben seine Arbeiten dem freyerschen Gestus verhaftet. Neuinterpretationen im eigenen Duktus, transportieren sie seine Seh- und Gestaltungsweisen und bieten dem Betrachter „starting points“ im Sinne von Carlfriedrich Claus.

Im zum Arbeits-, Lebens- und Ausstellungort umgestalteten Haus frönt Achim Freyer seiner dritten Passion: dem Sammeln von Kunst einen Präsentationsraum zu verschaffen. Und da gibt er ebenso wie auf Bild und Bühne seinem Affen Zucker. Nichts ist ihm heilig. Neben künstlerischen Preziosen wie Arbeiten von Claus, Matisse, Warhol und Léger finden Arbeiten von bislang namenlosen Künstlern, die er auf Flohmärkten aufgabelt, und Werken der art brut im gleichberechtigten Neben- und Übereinander ihren Platz vom Erdgeschoss über Treppenaufgänge durch alle Räume. Über 2.000 Bildwerke hat der Kunstbesessene inzwischen in seinem Heim hängend und dieses als Kunsthaus der Achim Freyer-Stiftung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wer sich auf einen Rundgang darin einlässt, wird durch die überbordende Schau im Sehen gleichzeitig gefordert wie auch geschult. Die Ganzheitlichkeit des Blickes ist hier ebenso notwendig wie im Erleben seiner bühnenkünstlerischen Tätigkeit und seines bildnerischen Schaffens.

Für sein Wirken wurde Achim Freyer, der zweimalige Dokumenta Teilnehmer, 1989 mit dem Bundesverdienstkreuz und im November 2015 mit dem Nestroy-Preis geehrt.



[1] vgl. Interview mit Achim Freyer in: „Die Presse“.12.11.2015