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Emerita Pansowová

14 August – 25 September 2021

Die Bildhauerin Emerita Pansowová macht auf den ersten Blick einen zerbrechlichen Eindruck. Die zarte und zierliche Frau verbreitet die Aura eines ruhigen Denkmals um sich herum. Ihre künstlerische Aussage ist im gleichen Modus. Die Stille des Ateliers der Bildhauerin ist von vollem Tageslicht erfüllt und die einzelnen Skulpturen stehen aufrecht und fest in einem großzügigen Ambiente.  
  
Sie beschreibt ihre Lebensaufgabe als das Streben, das Menschliche unter uns zu erfassen, sein reines Sein und seine Ausstrahlung, die den Betrachter mit ihrem bescheidenen Stolz und ihrer Reife erreicht. Emerita arbeitet seit Jahrzehnten mit enormer Hingabe und unerbittlicher Disziplin. Ihre Lebensgeschichte spiegelt wider, wie Loyalität, tiefe Überzeugung und unendlicher Fleiß in ihre künstlerische Praxis eingeflossen sind.  
  
Emerita hat sich auf das Thema der menschlichen Figur und den Ausdruck ihrer inneren psychologischen Spannungen konzentriert und ist immer wieder darauf zurückgekommen. Im Steinblock ist sie unermüdlich bestrebt, diesen Moment der eskalierenden Emotion einzufangen, den sie mit jedem weiteren Meißelstrich buchstäblich in die Masse ritzt. Es handelt sich jedoch um Nuancen, denn es gelingt ihr, die Integrität zu bewahren und dem Betrachter den Eindruck des Ganzen zu vermitteln. Die Bildhauerin hört dem allmählich entstehenden Wesen zu und beobachtet, was seinen Charakter auszeichnet. Sie beobachtet sorgfältig die gelebten Realitäten des menschlichen Körpers, psychologische Momente oder Lebensentscheidungen oder auch die kleinen Freuden des Alltags.  
  
Das Denken der Bildhauerin basiert auf und geht von einem reinen Steinblock aus. Sie studiert ihn sorgfältig und sucht nach dem, was das Material ihr erlaubt. Von Bedeutung ist auch das kraftvolle Fundament, aus dem die Figuren wachsen. Deren Füße und Zehen mögen massiv erscheinen, aber sie sind fest verankert und können durch ihre eventuelle Ausdünnung nicht verletzt werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Stein selbst, bei dem subtile, aber tiefe Emotionen in der Härte des Lavagesteins stärker ausgeprägt sind als in dem formbareren Sandstein. Die ausdrucksstarke Abstraktion der Formen des menschlichen Körpers, gepaart mit einer hohen Sensibilität für Psychologie und das Einfangen von Emotionen und deren Verwandlung, verleihen jeder Skulptur eine äußerst erdige Dimension. Ihre klare Haltung und unmittelbare Ausstrahlung haben eine Mutter und ein Kind, ein leichtfüßig schreitendes Mädchen, eine Tänzerin, einen Menschen, der im Begriff ist, einen Schritt zu tun, geschaffen - das Leben und Momente unseres Lebens, die mit großer Intensität festgehalten werden. Die Bildhauerin fängt die wesentlichen Themen der menschlichen Existenz in ihrer Zerbrechlichkeit wie auch in ihrer Ewigkeit ein.  
  
Emerita Pansowova (*1946) wurde als Tochter einer deutschen Mutter und eines ungarischen Vaters in der Slowakei geboren. In jungen Jahren zog sie nach Berlin, wo sie von 1967-1972 an der Kunsthochschule Berlin - Weißensee und von 1974-1977 an der Akademie der Künste bei Ludwig Engelhardt Bildhauerei studierte. Nach dem Studium fand sie ihres Lebens – und Arbeitsmittelpunkt in Prenden und in Biesenthal. Für ihr Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Viele ihrer Skulpturen stehen im öffentlichen Raum, u.a. im Heinz-Graffunder-Park in Berlin und im Stadtpark Bernau bei Berlin. Ihre Werke befinden sich in der Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Plastiksammlung im Kloster Unser Lieben Frauen zu Magdeburg, Staatliche Galerie Moritzburg Halle, Berlinische Galerie Berlin, Märkisches Museum Berlin.  

 

(en)

 

At first, the sculptor Emerita Pansowová gives a very fragile impression. The delicate and petite woman spreads an aura of a calm monument around her. Her artistic statement is in the same mode. The silence of the sculptor's studio is filled with full daylight and the individual sculptures stand upright and firm in a generous ambience.

She describes her life's mission as striving to capture the human among us, it's pure being and emanation that reaches out to the viewer with its humble pride and maturity. Emerita has been working for decades with tremendous dedication and unrelenting discipline. Her life story reflects how loyalty and deep conviction and endless diligence have seeped into her artistic practice.

Emerita has focused on and repeatedly returned to the theme of the human figure and the expression of its inner psychological tensions. In stone block, she relentlessly strives to capture that moment of escalating emotion that she literally carves into the mass with each successive stroke of the chisel. These are nuances, however, as she manages to maintain the integrity and convey to the viewer the impression of the whole. The sculptor listens to the gradually emerging being and observes what its character needs. She carefully observes the lived realities of the human body, psychological moments or life decisions or just the small pleasures of everyday life.

The sculptor's thinking is based on and stems from a pure block of stone. She studies it carefully and looks for what the material allows her to do. Also significant is the powerful foundation from which the figures grow. Their feet and toes may appear massive, but they are firmly anchored and cannot be injured by their eventual thinning. It is similar with the stone itself, where subtle but deep emotion is more pronounced in the hardness of lava stone than in the more malleable sandstone. The expressive abstraction of the shapes of the human body, together with a high sensitivity to psychology and the capture of emotion and its transformation, give each sculpture an extremely earthy dimension. Their clear posture and immediate emanation have created a mother and child, a lightly striding girl, a dancer, an individual about to take a step-in life and other moments of our lives captured with immense intensity. The sculptor captures the essential themes of human existence in their fragility as well as eternity.

Emerita Pansowova (*1946) was born in Slovakia to a German mother and Hungarian father. At a young age she moved to Berlin, where she studied sculpture at the Kunsthochschule Berlin – Weissensee between 1967-1972 and at the Akademie der Künste under Ludwig Engelhardt between 1974-1977. She won several awards for her work. Many of her sculptures are in public spaces o.a. Heinz-Graffunder-Park in Berlin and Stadtpark Bernau bei Berlin. Her works are to be found in the collection of Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Plastiksammlung im Kloster Unser Lieben Frauen zu Magdeburg, Staatliche Galerie Moritzburg Halle, Berlinische Galerie Berlin, Märkisches Museum Berlin.

 

Text: Lucie Drdova