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Alison Darby, Shift

20. März – 31. Juli 2021

Im Hof der Galerie

Alison Darby, Shift, 2020-21. Mixed-Media.

In einem Baugerüst haben sich die trittsicheren Böden zu Wellenlandschaften verflüssigt. Aus mehreren Schichten verleimter Spanplatten fein herausgeschliffen, offenbaren die Reliefs den ephemeren Charakter des industriellen Materials. Dieser skulpturale Verweis auf Umbau und Veränderung bildet die Bühne für eine Soundarbeit. Sie führt zu dem ältesten Industriegebäude auf Alt-Stralau, der Spreehalbinsel, die aktuell Schauplatz eines umstrittenen städtebaulichen Aufwertungsprojektes ist. Akustische Raumeindrücke, Radiomitschnitte zu historischen Ereignissen und die Stimmen von Menschen, deren Leben mit dem Ort verknüpft sind, fügen sich zu einem dichten Gewebe, das eineinhalb Jahrhunderte wechselvoller Geschichte umspannt. 1865 als Teppichfabrik erbaut, war das Gebäude ab den 1920er Jahren mit der Drahtproduktion und der Radio- und Rundfunkindustrie verbunden. Mit der Wende folgen Fabrikübernahme, Arbeitskämpfe, Schließung, Zwischennutzung, Besetzung und aktuell der Umbau zur exklusiven Wohnimmobilie. Neben einem Historiker kommen eine ehemalige Arbeiterin, ein Gewerkschaftssekretär, ein Graffitikünstler und zwei Brüder zu Wort, die als Kinder in der Werksvilla lebten. In ihren Erinnerungen wird der Ort nicht nur als Knotenpunkt in einem Netz aus räumlichen, zeitlichen und politisch-ökonomischen Bezügen, sondern auch als Resonanzraum ganz persönlicher, emotionaler Erlebnisse lebendig. Wie die fein geschliffenen Wellenlandschaften bringt Alison Darbys archäologisches Porträt die vielgestaltigen topografischen Schichtungen des urbanen Ortes an die Oberfläche.

Text: Stefanie Bringezu

 

Alison Darby (geb. 1986 in Belgien) lebt und arbeitet in Berlin. Im Anschluss an ein klassisches Klavierstudium am Conservatoire Royal de Mons studierte sie Malerei in der Koninklijke Academie voor Schone Kunsten in Antwerpen. Alison Darby schloss ihr Studium der Bildhauerei als Meisterschülerin von Prof. Manfred Pernice an der Berliner Universität der Künste ab. Mit dem Kollektiv Froon Timmer hat sie an zahlreichen Ausstellungen in Berlin, Norwegen, Kanada und der Schweiz teilgenommen.  2019 nahm Darby am Internationalen Bildhauersymposium Welchenhausen teil. Seit 2020 betreibt sie mit dem Kollektiv x-embassy künstlerische Forschung zu Kunst im öffentlichen Raum und entwickelt neben öffentlichen Veranstaltungen derzeit eine Publikation und einen performativen Spaziergang im Berliner Stadtteil Pankow. Ihre Arbeiten wurden in mehrere Gruppenausstellungen u.a. in „Fountain“, Stadtbibliothek Luisenbad, Berlin und „Retina“, Zeiss-Großplanetarium, Berlin gezeigt. Alison Darby setzt sich in ihren Skulpturen und Installationen mit den ästhetischen Erscheinungsformen und Oberflächen des Stadtraums auseinander, in denen soziale, politische und historische Strukturen sichtbar werden.