Kunst sammeln —
mit Kunst leben
Mitglieder und Freunde präsentieren Favoriten ihrer Kunstsammlungen

14. März bis 2. Mai 2015

 

Eine ganz besondere Ausstellung wird am 13. März, ab 19 Uhr in der Galerie Bernau eröffnet. Unter dem Titel „Kunst sammeln — mit Kunst leben“ werden Favoriten aus den privaten Kunstsammlungen der Mitglieder und Freunde des Förderkreises Bildende Kunst Bernau e. V. gezeigt.

Dieser Förderkreis übernahm im Frühjahr 1990 die erst wenige Monate vorher von einem Häuflein Kunstbesessener endlich erkämpfte kommunale Galerie Bernau in eigene Trägerschaft. Stark nach außen getragene Ausstellungen und Veranstaltungen für Erwachsene wie auch speziell für Kinder: alles organisiert, durchgeführt und abgerechnet in ehrenamtlichem Engagement über Jahre hin. Es liegt auf der Hand, dass — bei allem Idealismus — die dafür notwendige Selbstausbeutung der Protagonisten die Grenzen des Leistbaren überschreiten musste. So wurde 2013 ein abermals markantes Jahr für die Galerie, als die Übertragung der Trägerschaft der Galerie an die Bernauer Stadtmarketing GmbH endlich erstritten war. Der Förderkreis blieb und bleibt jedoch weiterhin Initiator, Ideengeber, Förderer und tatkräftiger Realisator der Galeriearbeit. Die aktuelle Exposition würdigt einerseits das individuelle Engagement seiner Mitglieder als Kunst fördernde Zeitgenossen, wird andererseits aber auch erst durch deren generöse Leihgaben möglich — im 25. Jahr des Bestehens.

Kunstsammlungen jeglicher Couleur finden sich weltweit. Kunstenthusiasten wie auch Institutionen kaufen Werke sowohl bekannter wie auch (noch) namenloser Künstler. Die Intentionen sind vielgestaltig: Anlageobjekte nach Marktwert, individuelle Vorlieben, persönliche Förderung. Auch die Reihe privater Sammler, die sich schon in jungen Jahren eher Kunst leisten, als ein flotteres Auto (das alte tut’s ja noch…), ist umfangreicher, als man gemeinhin annehmen mag. Sinnhaftes gegen Zweckhaftes — Ästhetik gegen Pragmatismus und Fortschrittshörigkeit. Über den künstlerischen Wert hinaus entsteht so eine ganz persönliche Bedeutsamkeit von Werk und Künstler, die sich im Biografischen verankert. Sowohl namhafte Sammlungen wie die von Berggruen, Frieder Burda, Würth, Falckenberg oder Lothar Schirmer wie auch unbekannte, im ganz Privaten gepflegte, gründen unabhängig von ihrem Umfang auf solchen, Kunst und Künstler fördernden, Anliegen.

Was im Großen funktioniert, findet seinen Widerhall auch im Kleinen. Und genau darauf fußt der Ansatz der aktuellen Ausstellung, der nun im Jubiläumsjahr des vieljährigen Trägers der Galerie Bernau realisiert wird: Mitglieder und Freunde des Vereins Bildende Kunst Bernau e. V., eingetragen als erster bildkünstlerischer Verein des Landes Brandenburg nach der Wende 1989, zeigen Arbeiten, die Bestandteil ihrer persönlichen Kunstsammlungen sind. Manche ausgegraben aus eingelagerten Mappen, andere von der Wand des eigenen Wohnfeldes abgenommen. Neben vielen anderen finden sich Namen wie z. B. Altenbourg, Bartnig, Bindl, Brosch, Henkel, Kollwitz, Janssen, Morgner, Schmidt-Matt, Tucholke, von der Goltz, Wanski und Wunderlich. Die Bereitschaft, sich für einige Zeit von lieb gewordenen künstlerischen Begleitern des eigenen Alltags zu trennen und für ein öffentliches Interesse nach außen zu geben, verdient Dankbarkeit wie Hochachtung.

Naturgemäß und aus landestypischer Historie heraus umfasst diese Ausstellung Werke vielerlei Genres aus Vor- und Nachwendezeiten. Sozialistischer Realismus wird ganz aktuellen künstlerischen Strömungen begegnen wie auch Werken der Art Brut. Malerei trifft dabei auf Grafik und Plastik. Und insofern bietet die Galerie Bernau einem in seiner Breite imposanten künstlerischen Schaffen über mehrere Jahrzehnte hinweg ein Podium im gleichberechtigten Miteinander. Gerade durch die Entstehung der Arbeiten unter wechselnden gesellschaftlichen Systemen tun sich Fragen auf. Wodurch bleibt Kunst wirksam über die Zeit? Welchen Zeitgeist vermag eine solche Zusammenstellung von Auszügen so ganz privater Kunstsammlungen wider zu spiegeln, zumal über einen gesellschaftlichen Umbruch hinweg? Was vermag Kunst eventuell über soziale und politische Strömungen und Verwerfungen ins Bild/Werk zu setzen, noch bevor der öffentliche Diskurs dazu an Breite gewonnen hat?

Aus der Vielfalt der Geber in Sammlungsintention, Genre-Interesse und Altersstruktur für diese aktuelle Ausstellung resultiert aus der Sache heraus eine sowohl opulente Zahl der zur Verfügung gestellten Leihgaben wie auch eine Vielfalt an zu zeigenden künstlerischen Handschriften. Das Ergebnis kann nur eine in ihrer Vielgestaltigkeit imponierende, mehrere Jahrzehnte umfassende Präsentation von Kunstwerken sein. Vor deren Hintergrund mag dann ein Auseinandersetzen mit dem eigenen Kunst- und Zeitverständnis oder das Reflektieren ganz persönlicher Begegnungen mit Kunst geschehen. Im besten Falle animiert sie dazu, während irgendeines Besuches irgendeiner kleinen Galerie nach Blick in den eigenen Geldbeutel ein besonderes Werk mit dem üblichen roten Punkt versehen zu lassen: gekauft — der neue Fernseher muss noch ein paar Monate warten… An dieser Stelle gibt es ein Bindeglied zwischen Vereinssatzung und Ausstellungskonzeption: die Förderung künstlerischen Existierens. So werden sich inmitten der geliehenen Sammelstücke auch einige (besonders gekennzeichnete) aktuell verkäufliche Exponate von ausgestellten Künstlern befinden, mit denen deren jeweiliger Sammler noch in Kontakt steht. Roter Punkt...?

Die Ausstellung ist außer an gesetzlichen Feiertagen vom 14. März bis zum 2. Mai dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr zu besichtigen. Das Jubiläumswochenende vom 17. bis 19. April lädt mit vielen künstlerischen Einlagen und Kunstauktion(!) zum (Wieder-)Entdecken des Förderkreises und der Galerie ein.

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