Geschriebene Bilder
Martin Rupprecht

31. Januar bis 7. März 2015

 

Zur ersten Vernissage des Jahresausstellungsprojektes 2015 „freiRAUM“, lädt die GALERIE BERNAU für Freitag, 30. Januar, ab 19 Uhr ein. Gezeigt werden Arbeiten des Berliner Künstlers und Bühnenbildners Martin Rupprecht. Er, der als Pfarrerssohn in Bernau aufwuchs, wusste von Kindesbeinen an, dass er Bühnenräume gestalten will. In der Galerie zeigt er unter dem Titel „Geschriebene Bilder“ jedoch freie Bilder und Collagen, die jenseits der Bühne entstanden sind.
Der Kunstwissenschaftler Christoph Tannert wird nicht nur zur Eröffnung in Martin Rupprechts Ausstellung einführen, sondern auch das Künstlergespräch am Freitag, 27. Februar, ab 19 Uhr moderieren.
Die Ausstellung ist bis zum 7. März dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr und samstags 10 bis 16 Uhr zu sehen.

Martin Rupprecht Ausstellung eines künstlerischen Weltenbummlers

Für Freitag, den 30. Januar lädt die Galerie Bernau ab 19 Uhr zur ersten Vernissage innerhalb ihres 2015-er Jahresausstellungsprojektes, welches unter dem Motto „freiRAUM“ steht, ein. Gezeigt werden Arbeiten des Berliners Martin Rupprecht. Er, der als Pfarrerssohn in Bernau aufwuchs, wusste von Kindesbeinen an, welchen beruflichen Weg er einschlagen wollte. Da gab es nur eins: Bühnenräume gestalten. Seine Ausbildung an der Westberliner Meisterschule und die Übersiedlung der Familie nach Berlin-West bestimmten die ersten Arbeitsorte nach dem Studium. In dieser Zeit besorgte er Ausstattungen fürs Sprechtheater, wie etwa für die Vaganten Bühne und das Renaissance Theater. Ein Engagement für die Berliner Festwochen 1974/75 erwies sich durch die Ausstattung von Mauricio Kagels „Mare Nostrum“ als Weg weisend. Seither gilt er weltweit als gefragter Bühnen- und Kostümbildner des Musiktheaters. Ob in Dresden, Köln, Hamburg oder Chemnitz, ob in Kopenhagen, Budapest, Sankt Petersburg, Moskau, Tokio, Miami, Oslo oder Athen – überall dort hat er künstlerisch Marksteine gesetzt. Immer gebunden an Textvorlagen und ihre jeweilige Lesart, an die Musik, an Bühnenabläufe. 2006 stellte die Galerie Bernau diesen Großen der Theaterwelt aus: mit Bühnenbildmodellen, Entwurfszeichnungen, Kostümskizzen, Ausstattungsteilen und fertigen Kostümen. Die Räume so opulent überquellend gestaltet, wie es der Ideenfülle ihres Schöpfers entspricht.

Nun ist Martin Rupprecht zurück in der Galerie Bernau und wer sich davon eine Neuauflage dessen verspricht, liegt damit genau… falsch. Denn Rupprecht ist künstlerisch ein Getriebener. Seit Jahren nutzt er Pausen im Theater, um seine Gedanken kritzelnd, malend, klebend festzuhalten. Abgenutzte Kartonagenreste, Zettel, Fahrpläne, alles ist es ihm wert, in diesen von allen äußeren Zwängen freien Bildern und Collagen ver- und bearbeitet zu werden. Einmal überwiegt die Sprache des Ausgangsmaterials, einmal die farbige Unterlegung, einmal die grafische Überzeichnung. Immer jedoch entstehen Serien, inhaltlich und/oder formal gefasst. Und immer geht es gestalterisch weiter, weiter, ganz gleich ob parallel zur Theaterarbeit oder in häuslicher Klausur. Jeder Freiraum ist ihm Raum für Kunst und lustvoller Gestaltungsauftrag an sich selbst.

Als Bühnen- und Kostümbildner gehört es ganz selbstverständlich dazu, Skizzen mit Anmerkungen zu Material, Wesen der Figur, Technischem zu versehen. Dieses Schreiben im Bild hat Martin Rupprecht seit einiger Zeit als ganz eigenständiges Gestaltungsmittel für sich entdeckt. Nicht mehr aus Linien und Rastern entwickelt er seine Strukturen im Bild, um Malerisch-Zeichenhaftes zu akzentuieren. An ihre Stelle sind geschriebene Zeichen getreten. Mäandernde Wortschlangen bevölkern derzeit Rupprechts Arbeiten im scheinbar endlosen Notieren. Lebensgedanken, Weltgedanken – nachlesbar manchmal, ebenso oft aber in wie entgleitender Kritzelschrift, so als ginge es nur um den Schreibakt an sich, eine Art Seelenschrift. Auf und ab, kreuz und quer. Doch was auf den ersten Blick zufällig anmutet, enthüllt sich beim genauen Schauen als einer klaren Strukturiertheit unterworfen. Den Papiergrund dafür, aufgebracht auf Leinwandkörper, erschafft der Künstler sich selbst. Briefe, Notizzettel, Rechnungen aus familiärer Erbmasse erweckt er aus abgelegtem Sein zwischen Aktendeckeln zu neuem Leben. Be- und überschrieben eröffnen sie dem Betrachter grafisch ein Sittenbild, das über ein Jahrhundert reicht. Diese Referenz an die Altvorderen wertschätzend und dabei doch ganz quirlig und vital-heutig aufgehoben. All die Wortkritzel auf Papier und auf Leinwand scheinen noch nicht zu genügen: mit prägnantem Pinselstrich setzt Martin Rupprecht die Kontur einer Bildfigur darüber. Sie konzentriert oder teilt und entwickelt auf dem so überaus lebendigen Bildgrund ein Eigenleben. Vielleicht offenbart sich in genau dieser Mischung aus fast strenger Bildordnung und Opulenz ein Stück des Wesens dieses großen Künstlers.

Die letzten Wochen hat Martin Rupprecht vorzugsweise in Würzburg verbracht, wo er am Mainfrankentheater die Ausstattung für Georges Bizets Oper „Carmen“ besorgte. Zur Vernissage in Bernau wird er anwesend sein. Das ist er: ein Wanderer zwischen den Theatern der Welt und zwischen der Welt der angewandten und der freien Kunst.

Text: Sabine Miereke, Kuratorin

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