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Wie lange dauert die Vergangenheit?

15. August- 2. Oktober 2026

Helga Elsner Torres und Maria Koch

© Helga Elsner Torres

Eröffnung: Freitag, 14. August 2026, 18 Uhr
Begleitveranstaltung: 5. September, 16 Uhr

Maria Koch und Helga Elsner Torres stellen ihre Werke in Form einer Begegnung aus, die als Ausdruck einer geteilten Suche nach Zugehörigkeit, Herkunft und innerer Verortung fungiert. In Bildern, Filmen und einem wachsenden Archiv machen die beiden Künstlerinnen diese Themen erfahrbar, die aus ihren Perspektiven und von ihren Biographien inspiriert sind. Die Galerie Bernau, mit seiner Geschichte als Ort des Übergangs und der Veränderung, bietet den Raum für diesen Dialog über Brüche, die verbinden statt trennen sollen. 

Beide Künstlerinnen wurden Ende der 1980er Jahre geboren. Auf den ersten Blick haben ihre Biographien wenig gemeinsameine in einer Familie mit deutschen Wurzeln in Peru aufgewachsen, die andere in Ostdeutschland zur Zeit der Wende. Doch sie berühren sich in ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit Erinnerung, Transformation und Identität. 

Umbrüche sind selten klare Schnitte – sie ziehen sich, wirken nach, verändern uns leise oder mit voller Kraft. Maria Kochs künstlerische Arbeiten, die im vorderen Galerieraum zu sehen sind, setzen an genau diesen Punkten an: Dort, wo Lebenslinien sich verschieben, und neuer Raum entsteht.  

Ihr Werk entsteht transmedial zwischen Malerei, Fotografie und installativen Eingriffen, mit einem Fokus auf das, was in gesellschaftlichen Umbrüchen oft übersehen oder verdrängt wird. Dabei geht es um universelle Erfahrungen von Aufbruch, Sehnsucht, Verlust und Zugehörigkeit. Ausgehend von ihrer eigenen Sozialisation schafft Maria Koch Arbeiten, die persönliches mit kollektiven Erinnerungen verweben. Sie richtet ihren Blick auf den Prozess, das innere Ringen, und das, was aus Veränderung entstehen kann: neue Perspektiven, Verbundenheit und die Möglichkeit, sich selbst im Gegenüber wiederzufinden. Koch möchte mit ihren Werken dazu einladen, Verletzlichkeit als Ausgangspunkt für Begegnung zu begreifen und im Dazwischen neue Formen von Freiheit, Hoffnung und Zugehörigkeit zu entdecken.  

Helga Elsner Torres beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit biografischen Bruchstellen, familiären Geheimnissen und kolonialen Verstrickungen zwischen Deutschland und Peru.  

Ihre Installationen verbinden Malerei und Zeichnung, Archivmaterial und Videos, in denen Erinnerung und Verlust, Abwesenheit und Rekonstruktion ineinandergreifen.  

Im hinteren Galerieraum ist erstmalig der KurzfilmWas bleibt, wenn die Welle gehtzu sehen. Die Videoarbeit greift wiederum die Themen Migration, Erinnerung und das Gefühl von Zugehörigkeit auf. Das Surfen dient Elsner Torres als Metapher: sich äußeren Kräften zu stellen, die man nicht kontrollieren kann inmitten des Wandels das Gleichgewicht zu halten und wieder aufzustehen, nachdem man zu Fall gekommen ist. Der Film entstand an zwei Orten, die das Leben der Künstlerin prägen: am Meer in Lima, ihrer Heimatstadt, und auf dem Mechesee in Bernau bei Berlin, ihrer Wahlheimat wo sie auf einem SUP-Board die stille Oberfläche des Sees befährt. Beide Orte spiegeln innere Bewegungen des Ankommens und Loslassens wider und die Frage, was bleibt, wenn sich alles verändert. 

Im partizipativen Element laden wir Besucher*innen – unabhängig von Alter, Sprache, Herkunft oder körperlichen Voraussetzungen – ein, ihre eigenen Erfahrungen mit Bruchstellen – seien sie biografisch, sprachlich oder sozial – beizutragen. Diese fließen anonym oder signiert in die Ausstellung ein und bilden ein wachsendes, kollektives Archiv des persönlichen Wandels. 

„Wie lange dauert die Vergangenheit?“ regt dazu an, eigenen Erinnerungen zu begegnen. Vielleicht helfen sie Besuchenden zu entdecken, dass gerade in Zwischenräumen neue Formen von Freiheit, Nähe und Zugehörigkeit entstehen können. 

ENGLISH

Maria Koch and Helga Elsner Torres offer visitors an encounter that expresses a shared quest for belonging, origins, and a sense of inner place. Through images, films, and an evolving archive, the two artists explorethemes inspired by their perspectives and life stories. Galerie Bernau, with its history as a site of transition and change, provides the setting for this dialogue about personal and historical ruptures intended to connect rather than divide. 

Both artists were born in the late 1980s. At first glance, their backgrounds appear to have little in common: One grew up in a family of German descent in Peru, while the other came of age in East Germany during the period of reunification. Yet, their paths converge in an artistic exploration of memory, transformation, and identity. 

Moments of profound change are rarely clean breaks. They unfold over time, leaving lasting echoes. They transform ussometimes subtly, sometimes with great force. Maria Koch’s artistic works, on display in the front gallery space, engage precisely with these moments the points where life paths shift and new spaces emerge. 

Her work is created through a transmedial approach spanning painting, photography, and installation and focuses on topics often overlooked or suppressed during times of societal upheaval. It explores universal experiences of new beginnings, longing, loss, and belonging. Drawing on her own background, Koch creates works that weave together personal and collective memories. She focuses on the process itself, the internal struggle, and what can arise from change: new perspectives, a sense of connection, and the possibility of recognising oneself in the other. Through her art, Koch invites viewers to embrace vulnerability as a starting point for connection and discover new forms of freedom, hope, and belonging in the spaces in between. 

In her work, Helga Elsner Torres explores biographical fractures, family secrets, and colonial entanglements between Germany and Peru. Her installations combine painting and drawing, archival material, and video, creating an interplay of memory and loss, absence and reconstruction.  

The short film What Remains When the Wave Recedes (Was bleibt, wenn die Welle geht) is being shown for the first time in the rear gallery space. This video work handles themes of migration, memory, and the sense of belonging. Elsner Torres uses surfing as a metaphor for confronting uncontrollable external forcesmaintaining balance amidst change and rising again after a fall. The film was created in two locations that shape the artist’s life: by the sea in Lima, her hometown, and on the Mechesee lake in Bernau near Berlin, her home of choice, where she navigates the lake’s still surface on a standup paddling board. Both locations reflect the internal dynamics of arriving and letting go as well as the question of what remains when everything changes. 

In the participatory element, we invite visitorsregardless of age, language, background, or physical abilityto contribute their own experiences of shifts or ruptures, whether biographical, linguistic, or social. These contributions are incorporated into the exhibitioneither anonymously or attributedforming a growing, collective archive of personal transformation. 

"How long does the past last?" encourages visitors to engage with their own memories. Perhaps these memories will help them discover that new forms of freedom, closeness, and belonging can emerge precisely atthe spaces in between.