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HEIMAT, HERZ, ORTE: UNSER JAHRESPROGRAMM 2021

mit Yasmin Alt, Anna Benner, Laure Catugier, Alison Darby, Monika Goetz, Gözde Güngör, Martine Heuser, Max Hilsamer, Ana Hupe, Karsten Kelsch, Ofri Lapid, Anna Lauenstein, Marion Orfila, Julieta Ortiz de Latierro, Emerita Pansowova, Gudrun Sailer, Beatrice Schuett Moumdjian, Anja Sonnenburg, Saša Tatić, Hannelore Teutsch, Hana Yoo.

Ab Februar 2021 präsentiert die Galerie Bernau ihr neues Jahresprogramm. Wie der Titel „Heimat, Herz, Orte“ schon vermuten lässt, dreht sich die Kunst in diesem Jahr um das zentrale Thema „Heimat“ drehen. Auch wenn wir gerade auf wackeligem Boden stehen, inzidenzabhängig die Türen öffnen und schließen, arbeiten die Künstler:innen und das Galerie-Team weiter am Jahresprogramm. Wir versuchen Tag für Tag, so wie es zu schaffen ist, so wie es zulässig ist, Kunst in die Öffentlichkeit zu bringen und weiterzumachen.

Zur Zeit ist ein Besuch in der Galerie ist nur mit Termin, unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen als privater Besuch möglich und nur solange der Inzidenzwert im Landkreis Barnim unter 100 liegt.

Für aktuelle Öffnungszeiten schauen Sie auf unsere Webseite unter www.galerie-bernau.de.

Leben an der Uferlinie

Unter dem Titel KM 0 wurde die Frage “Wo stehen wir?” in den vergangenen Monaten in seinen Grundfesten aufgewühlt mit Arbeiten von Karsten Kelsch, Alison Darby, Hana Yoo, Saša Tatić und Beatrice Schuett Moumdjian. Der Begriff "Heimat" wurde von ihnen in neue Fundamente gegossen.

Das neue Kapitel von Heimat, Herz, Orte folgt unter dem Titel Leben an der Uferlinie (engl.: Live at the shoreline). Die Zeile stammt im Original aus dem Gedicht “A Litany for Survival” aus “The Collected Poems of Audre Lorde” von 1987. Die amerikanische Schriftstellerin Audre Lorde nutzt die Worte als Metapher oder Petition zum Überleben. Lorde`s Arbeit ist der Konfrontation und Auseinandersetzung mit Ungerechtigkeiten von Rassismus, Sexismus, Klassismus, Kapitalismus, Heterosexismus und Homophobie gewidmet. Der komplette Satz sagt: "Für diejenigen von uns, die an der Uferlinie leben, die an den ständigen Rändern der Verlorenheit stehen, entscheidend und allein." (Original: For those of us who live at the shoreline, standing upon the constant edges of decision, crucial and alone.). Er beschreibt die Unsicherheit und Unsichtbarkeit von denjenigen in unserer Gesellschaft, die vergessen und ignoriert werden. Wenn wir über Heimat sprechen, sind wir zur Selbstbefragung aufgefordert. In den kommenden Monaten wird das Licht auf die Mythologisierung des Heimatbegriffs, auf die Heimatliebe, auf Nationalismus, Patriotismus und Kolonialisierung geworfen. Das Dargestellte versucht eine Antwort zu finden auf die Frage: “Wer sind wir?”

Hannelore Teutsch, Beitrag zur Deutschen Mythologie

Ab 16. April bis 31. Mai sind die Arbeiten der Künstlerinnen Hannelore Teutsch und Martine Heuser in der Galerie ausgestellt. Die Orte in Hannelore Teutschs Malereien rufen oft ein Gefühl der Wiedererkennung hervor, die Verortungsversuche jedoch entgleiten. In der Ausstellung wird zum ersten Mal ihre neue Arbeit Beitrag zur Deutschen Mythologie IV (2021) präsentiert, welche speziell für die Ausstellung angefertigt wurde.

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Martine Heuser, Dorf

Die raumgreifende und ortsspezifische Installation Dorf (2015-2021) von Martine Heuser entwickelt sich aus der Vorstellung und dem Fiktiven. Die in der Galerie aufgebaute Örtlichkeit besteht aus einem Haus, Trog, Brunnen, Zaun sowie einer Feuerstelle, Fahne und Glocke. Es ist eine Gleichgewichtsübung aus aneinander gelehnten Baumaterialien und zeigt eine anti-heroische oder anti-monumentale Auseinandersetzung mit dem Begriff Dorf.

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MONIKA GOETZ, WORLD FLAG

Am Freitag den 23. April wurde die World Flag (2021) von Monika Goetz am Bahnhof Bernau gehisst. Die Flaggen aller 196 offiziell anerkannten Länder weltweit wurden von Monika Goetz übereinander kopiert. World Flag stellt die Idee von Nationalflaggen und die damit verbundenen territorialen Ansprüche, sowie den Heimatbegriff als solches in frage. Diese temporäre Intervention im öffentlichen Raum wird bis 31. Mai am Platz vor dem Bahnhof Bernau zu sehen sein.

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Anna Benner, Heimatfelder

Als nächstes Highlight in der Videoreihe folgt im Mai der Film Heimatfelder (2021) von Anna Benner. In ihrer Animation thematisiert die Künstlerin Heimat als nicht-greifbares jedoch transportierbares Gefühl. Im Wechselspiel werden Motive und Handlungen eingeblendet die romantisierte, sexualisierte, unheimliche und fragwürdige Aspekte von Heimatliebe hervorrufen.

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Anna Lauenstein und Max Hilsamer, Nach dem Warmhaus

In ihrer Videoarbeit Nach dem Warmhaus (2021), welche im Juli gezeigt wird, untersuchen die Künstler:innen Anna Lauenstein und Max Hilsamer, wie sich Konzepte von Heimat in unserer Bezeichnung und Wahrnehmung der Pflanzenwelt eingeschrieben haben. Die Botanik hat eine eng verstrickte Vergangenheit mit dem europäischen Kolonialismus und so überrascht es nicht, dass einige ihrer Konzepte des Einheimischen und des Fremden von fragwürdiger Herkunft sind.

Ana Hupe, Footnotes to a triangular cartography

Ana Hupe wird im Juni ihre mehrteilige Projektarbeit Footnotes to a triangular cartography (2019 – 2021) in den Ausstellungsräumlichkeiten präsentieren. Die Arbeit ist das Ergebnis einer zweijährigen Recherche über unsichtbare Verbindungen zwischen Kuba, Brasilien und Nigeria. Die Verbindungen zwischen diesen Ländern werden durch die Yoruba-Kultur hergestellt und thematisieren den Widerstand der Yoruba-Kultur gegen die koloniale Gewalt. Geistergeschichten durchdringen die Ausstellung. Die Charaktere der Kolonisation reinkarnieren, die Gespenster verschwinden nicht.

Gudrun Sailer, Fruchtbare Inseln, vom Senden und Empfangen

Fruchtbare Inseln, vom Senden und Empfangen (2021) ist der Titel Gudrun Sailers keramischer Installation. Zusammen mit Arbeiten von Ana Hupe ist die Installation ab Juni in den Ausstellungsräumen der Galerie zu sehen. Ein langer Tisch, gefüllt mit unzähligen Dingen, Artefakte der Suche, der Ereignisse, der Widersprüche sowie Wandarbeiten treffen aufeinander. Arbeiten als “offene Formen der Zartheit“ werden zusammengetragen, einer Wunderkammer gleich.

KM 0

Der Auftakt des Jahresprogramms 2021 steht unter dem Titel „Heimat, Herz, Orte – KM 0“ und beschäftigt sich mit der Archäologie der Heimat. Als „KM 0“ bzw. „Kilometer Zero“ wird der zentrale Vermessungspunkt eines Landes bezeichnet. Von diesem Zentralpunkt ausgehend wurden traditionell Distanzen gemessen und die Welt darum erfasst. „KM 0“ ist nicht nur der Auftakt des Jahresprogramms mit dezentralen Präsentationen an verschiedenen Orten in Bernau – hier als peripherer Ort nahe Berlin –, sondern steht auch für die Reduktion unserer Bewegung im realen Raum und für den individuellen Standpunkt als „das Zentrum der eigenen Welt“. „KM 0“ versteht sich ebenso als Anfang oder Neuanfang, der nach einem bewegenden Jahr, das wir hinter uns lassen, auf uns zukommt und vermag vielleicht die Frage zu beantworten: Wo stehen wir?

Karsten Kelsch, irgendwo im nirgendwo

Mit Karsten Kelschs Werk „Irgendwo im Nirgendwo“ (2018–2021) startete die Videoreihe am 5. Februar. Es waren Aufnahmen des Künstlers bei der Entstehung der gleichnamigen Arbeit, die vom Verschwinden der Heimat handelt, zu sehen. In 30 Teilen zeigte Karsten Kelsch gezeichnete Ansichten des Ortes, wo einst sein Dorf in der Niederlausitz stand. Mit einem QR-Code, der am Schaufenster der Galerie neben dem Video zu sehen war, konnten sich Besucher:innen die Serie „Irgendwo im Nirgendwo“ ganz einfach auf ihrem Smartphone oder Tablet anschauen.

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Hana Yoo, MUJU (무주, 無住) - NOT STAYING

Im März folgte das Video „Muju (무주, 無住) - not staying“ (2018-2020) von Hana Yoo. „Muju“ ist ein Begriff aus dem Zen-Buddhismus und bedeutet „nirgendwo bleiben“ (engl.: not staying anywhere). Hier wird das Bleiben vom Nicht-Bleiben begleitet. „Muju (무주, 無住) - not staying“ untersucht die Konnotation von „Habitat“ in einer meditativ wirkenden Wüste von technischen Bildern und Figuren.

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Saša Tatić, The Bedrock

Im April wurde das Video „The Bedrock“ (2017) von Saša Tatić gezeigt. „The Bedrock“ thematisiert das „Land“ oder die „Erde“ als Währung, die eine sichere Zukunft mitgibt, wenn es von Generation zu Generation übertragen wird. Saša Tatić dokumentierte dies in ihrer eigenen Familie. Auf dem Stück Land, das sie von ihrem Großvater geerbt hatte, traf sie die ersten Vorbereitungen, um ein Fundament für ein Haus zu schaffen.

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Alison Darby, Shift

Weiterhin ist die Mixed-Media-Installation Shift (2021) von Alison Darby im Hof der Galerie zu bewundern. Damit die Arbeit für die kommenden Monate, bis Ende Juli, im Hof der Galerie gezeigt werden kann, wurde sie neu aufgelegt mit skulpturalen Elementen. „Shift“ ist ein skulpturaler Verweis auf Umbau und Veränderung und handelt von einer Teppichfabrik aus dem Jahr 1865, dem ältesten Industriegebäude auf der Spreehalbinsel Alt-Stralau. Aktuell wird die Fabrik zu einer exklusiven Wohnimmobilie umgebaut. Akustische Raumeindrücke, Radiomitschnitte zu historischen Ereignissen und die Stimmen von Menschen, deren Leben mit dem Ort verknüpft sind, fügen sich zu einem dichten Gewebe, das eineinhalb Jahrhunderte wechselvoller Geschichte umspannt, zusammen.

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Beatrice Schuett Moumdjian, Magic City

Vom 19. März bis 19. April zeigte die Künstlerin Beatrice Schuett Moumdjian ihre neue Fotoarbeit „Magic City“ (2021), welche als Plakatwerbung am Bahnhof in Bernau zu sehen war. „Magic City“ stellt Stadtlandschaften aus alltäglichen Gegenständen dar, welche die Künstlerin in ihrem Haushalt fand. Aus der Zusammenstellung von Vasen, Boxen, Büchern, Broten, Dosen, Schachteln, Keksen, Holzklötzen, Adventskalenderschokolade sowie anderen Objekten und Lebensmitteln aus diversen Kulturkreisen entstehen fantasievolle Gebäude. Sie erinnern unter anderem an die zahlreichen im Osmanischen Reich und dem heutigen Artsak (Bergkarabach) zerstörten Kirchen der typisch armenischen Architektur.

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Presse

Pressetexte und -bilder für Berichterstattung und Recherche erhalten Sie gerne auf Anfrage. Wenden Sie sich bitte telefonisch unter 03338 80 68 oder per E-Mail an galerie@best-bernau.de.

Auswahl von Pressestimmen

"Flexibel bleiben - Leiterin der Galerie Bernau übers neue Programm, Komplizen und Hoffnung" ein Interview von Antje Scherer mit Frederiek Weda in der Märkische Oderzeitung (21.4.2021)

"Im Corona-Jahr 2021 zeigt die Galerie Bernau Kunst an vielen Orten" berichtet Olav Schröder über das Jahresprogramm „Heimat, Herz, Orte“ in der Märkische Oderzeitung (6.2.2021)