Eröffnung: Freitag, 16. Oktober 2026, 18 Uhr
Begleitveranstaltung: Künstlerinnenführung am Samstag, 12. Dezember 2026, 16 Uhr
Brüche zeigen Grenzen auf, innere, äußere.
Ist etwas zu Bruch gegangen, heißt es Scherben aufnehmen, ordnen, erkennen,
heilen und wieder neu beginnen.
Es blubbert im Gebälk, Formen wachsen, aus Zweifeln werden Taten.
Die Ausstellung zeigt im vorderen Raum Köpfe, aus Bruchstücken gefasst, fragmentarisch angelegt.
Dazu Pastelle, still und fordernd zugleich.
Im Zwischenraum ein Rascheln hinter den Fenstern.
Im hinteren Teil entfaltet sich ein eigenwilliges Treiben.
Die Böckchen weiden,
die Wolken treiben,
die Scherben fallen,
darüber Wir.
Die Böckchen tollen,
die Wolken wollen,
so lange schon bauen wir
auf und ab.
Brocken bleiben liegen,
wir träumen vom Fliegen,
es ist Zeit,
immer wieder Zeit zum Anfangen.
Mit der Ausstellung GRENZVERSCHIEBUNGEN der Künstlerin Gudrun Sailer findet das Jahr zum Thema (UM)BRÜCHE seinen Abschluss. Die Bildhauerin und Malerin erlebte den großen gesellschaftlichen Umbruch, den Zusammenbruch der DDR, am Ende ihres Studiums. 1991 begann sie als freischaffende Künstlerin in ihrem Atelier in Eberswalde.
Ihre Arbeiten entwickelt sie durch Schichtung. Sie weisen nahezu unendliche Kanten und Brüche auf. Die Künstlerin lässt sich u.a. durch ihr Material leiten, sie formt, provoziert und nutzt Grenzerfahrungen. Mit zarten und dennoch intensiven Farben erweckt sie eine eigenwillige Lebendigkeit. Vom Ausgang der rohen Tonmasse oder der leeren Leinwand begibt sie sich bis zur Vollendung des Werkes in einen Prozess, der einer Biographie ähnelt, von Biegungen und Wendungen, Beziehungen, Interdependenzen, Brüchen und Schattierungen geprägt. All das bleibt in ihren Werken sichtbar, sie scheinen sich geradezu immer weiterentwickeln zu wollen. Ihre Figuren zeigen oft Bewegungen, gleichzeitig wirken sie teilweise wie aufgebrochen, im Übergang zwischen menschlichen, pflanzlichen oder steinigen Wesen. Abwechslungsreich sind neben Formen und Farben auch die Brennprozesse, mit denen Sailer experimentiert.
In GRENZVERSCHIEBUNGEN präsentiert Gudrun Sailer aktuelle Werke aus den vergangenen Jahren, die auf ihr langjähriges Schaffen aufbauen. Sie setzt sie in eigenen Mikrowelten miteinander in Beziehung und fordert so die Besuchenden auf, einzutauchen und sich auf die (Um)brüche einzulassen, aus denen immer wieder Neues entstehen kann.
ENGLISH
Fractures reveal boundaries, inside and out.
When something breaks, we gather the shards, sort them, learn,
heal, and begin anew.
The framework stirs; forms take shape, and doubts give way to action.
In the front room, the exhibition presents heads composed of broken pieces, arranged in a fragmentary style. Accompanying them are pastels, quiet yet demanding.
In the space between, a rustling sounds from behind the windows.
In the rear, a singular kind of activity unfolds.
The little goats graze,
the clouds drift,
the shards fall,
and we stand above it all.
The little goats frolic,
the clouds have their will;
for so long, we have been building
up and down.
Fragments lie scattered,
we dream of flight;
it is time,
always, time to begin again.
The exhibition Shifting Boundaries by artist Gudrun Sailer marks the conclusion of the Galerie Bernau’s year dedicated to the theme “Fractures, Shifts”. While completing her studies, Sailer, a sculptor and painter, experienced a period of major societal upheaval—the collapse of the GDR. In 1991, she began working as an independent artist in her studio in Eberswalde.
She develops her work through layering, creating forms characterized by seemingly endless edges and fractures. Guided in part by her materials, the artist shapes, provokes, and explores the experience of boundaries. Using colours that are simultaneously delicate and intense, she evokes a distinctive sense of vitality. From the raw clay or blank canvas all the way to the completed work, she engages in almost biographical processes, marked by twists and turns, relationships, interdependencies, ruptures, and nuances. These dynamics are visible in her pieces, which seem to possess an inherent drive to keep evolving. Her figures often display movement while also appearing fractured, captured in a state of transition between human, botanical, and geological forms. Beyond her diverse use of shapes and colours, Sailer also experiments with a great variety of different firing processes.
In Shifting Boundaries, Gudrun Sailer presents recent works that build upon her long-standing artistic practice. She arranges them into distinct "microworlds" that interact with one another, inviting visitors to immerse themselves and engage with fractures and shifts from which something new can always emerge.
