Diese Ausstellung nimmt die Besuchenden mit auf Reisen in die Erinnerung. Ob persönlich oder kollektiv, Erinnerungen sind Fragmente, die einen Kontakt zwischen Vergangenheit und Gegenwart schaffen.
Karø Goldt ordnet ihre dokumentarischen Photographien in so genannten FRAMES an. Sie bezieht sich damit auf ein wissenschaftlich beschriebenes Phänomen, welches ein alltägliches menschliches Verhalten beschreibt, Informationen ein- bzw. auszuschließen und so komplexe Zusammenhänge durch Selektion und Struktur zu vereinfachen. Die wechselnde Anordnung der Bilder ermöglicht durch immer neue Verbindungen nahezu unendliche mögliche Bedeutungen. Mit dem re-framing werden bestehende Schemata aufgebrochen und anders betrachtet. Die Künstlerin sieht ihre Arbeit als eine Erweiterung der Erinnerung, ihre Bilder sind niemals chronologisch angeordnet, sie sind ein hybrides Werk. Die FRAMES entstehen als „site specific foto installations“, die auf den Raum und das Thema der Ausstellung eingehen. Hier in der Galerie finden sich Motive, die Goldt im Vorfeld der Ausstellung in Bernau gefunden hat. Vielleicht regen sie Betrachter*innen an, ihre eigenen Erinnerungen an Orte der Stadt neu entdecken und zu reframen.
"Die Worte werden teils mit Beifall, teils mit mehr oder weniger leisem Widerspruch aufgenommen." Dieses leicht veränderte Zitat aus einem Buch über die Geschichte der ADGB Bundesschule lesen wir auf dem Boden. Irina Novarese hat sich ebenfalls durch die Stadt inspirieren lassen, bei ihr stehen Sprache und Worte im Mittelpunkt. Begonnen hat sie damit, Gesprächsfetzen und Wörter von Plakaten im öffentlichen Raum in Bernau aufzuschnappen und sich von „Begegnungen“ und ihrer eigenen Aufmerksamkeit geleitet durch die Stadt treiben zu lassen. In Bibliotheken, dem Stadtarchiv, Reiseführern, Romanen und Videos hat sie nach der modernen Geschichte Bernaus recherchiert mit dem Fokus auf Umbrüche. So stellt beispielsweise der Übergang der Zeitschrift NEUER TAG zur Märkischen Oderzeitung nach der Wiedervereinigung 1990 einen Umbruch in Schrift und Alltag der Zeitungsleser*innen dar.
Aus all diesen Sätzen und Begriffen komponierte Novarese eine narrative Kartographie der Stadt. Diese ist nun als Installation in der Ausstellung präsentiert, das Publikum kann frei eine Leserichtung wählen, eigene Assoziationen aus den Fragmenten und letztlich eine Narration entwickeln.
Die Künstlerinnen bedanken sich herzlich für die Hilfe und Zugänge beim Stadtarchiv, den Museen, der Stadtbibliothek und Antik Bernau.
English version
A highly subjective version of the story
This exhibition takes visitors on a journey into memory. Whether personal or collective, memories are fragments that create a connection between past and present.
Karø Goldt arranges her documentary photographs in so-called FRAMES. She refers to a scientifically described phenomenon that illustrates everyday human behavior: including or excluding information and thus simplifying complex relationships through selection and structure. By shifting the arrangement of her images, she opens the door to near infinite possible meanings through continuously changing connections. Reframing breaks down existing schemata and offers different perspectives. The artist sees her work as an extension of memory. Her images are never arranged chronologically; they are a hybrid work. The FRAMES are created as "site-specific photo installations" that respond to the space and the theme of the exhibition. Here at the gallery, Goldt displays motifs she discovered in Bernau while preparing for the exhibition. Perhaps they will inspire viewers to rediscover and reframe their own memories of places in the city.
"The words are received partly with applause, partly with more or less quiet dissent." On the floor, we read this slightly altered quote from a book about the history of Bernau’s former ADGB Trade Union School. Irina Novarese, too, was inspired by the city - and language and words are central to her work. She began by catching snippets of conversations and words from posters in Bernau's public spaces, letting herself be guided through the city by "encounters" and her own awareness. In libraries, the city archives, travel guides, novels, and videos, she researched Bernau's modern history, focusing on periods of upheaval. For example, the transition of the newspaper NEUER TAG to the Märkische Oderzeitung after German reunification in 1990 represents a turning point in both the written word and the everyday lives of newspaper readers.
From all these texts and concepts, Novarese composed a narrative cartography of the city. This work is now presented as an installation in the exhibition, allowing the public to freely choose their own reading direction, develop their own associations from the fragments, and ultimately create an individual narrative.
The artists extend their sincere thanks to the city archive, the museums, the city library, and Antik Bernau for their help and access.
