Zum Inhalt oder Zur Navigation

Carola Bark | Gerd Pilz

linie fläche licht raum
8. Juni – 26. Juli 2019

Eröffnung: 7. Juni 2019, 19 Uhr
Einführung: Friedemann Seeger, baudenkmal bundesschule bernau e.V.
Musik: Simon Beyer (Geige) und Jobst Liebrecht (Klavier)

Die Künstler*innen Carola Bark und Gerd Pilz wurden im Rahmen der deutschlandweiten Ausschreibung der GALERIE BERNAU zum Thema „bauhaus100“ ausgewählt. Die Ausstellung linie fläche licht raum ist eine von insgesamt sechs Ausstellungen die zum 100-jährigen Gründungsjubiläum der legendären Kunsthochschule - 1919 in Weimar gegründet, 1925 nach Dessau umgezogen und 1933 in Berlin unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen - von der Galerie präsentiert wird. Dabei legt das Themenjahr einen besonderen Fokus auf die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in Bernau bei Berlin, die im Juli 2017 in die UNESCO Welterbeliste aufgenommen wurde. 1928-1930 von Hannes Meyer (Direktor des Bauhauses) und Hans Wittwer (Meister der Bauabteilung, Leiter des Baubüros am Bauhaus) sowie von Studierenden und Werkstätten des Dessauer Bauhauses auf einer Kiefernlichtung mit einem kleinen See realisiert, entwickelten die Architekten eine Anlage, in der Schulbetrieb, Wohnalltag und Erholung ebenso reibungslos wie selbstverständlich möglich waren.

Carola Bark thematisiert in ihren Arbeiten die Grundelemente der Malerei und Zeichnung. Für ihre Collagen und raumgreifenden Wandarbeiten ist die Linie konstitutiv. Sie ist mehr als nur die Verbindung zweier Punkte auf einer Oberfläche, wie wir bei Walter Benjamin nachlesen können: „Die graphische Linie ist durch den Gegensatz zur Fläche bestimmt; dieser Gegensatz hat bei ihr nicht etwa nur visuelle sondern metaphysische Bedeutung. Es ist nämlich der graphischen Linie ihr Untergrund zugeordnet. Die graphische Linie bezeichnet die Fläche und bestimmt damit diese indem sie sie sich als ihrem Untergrund zuordnet“. In der Tat legt Carola Bark mit Klebefolien, die sie für ihre Wandarbeiten verwendet, die Linie fest; Gitterflächen, lineare Strukturen, rechte Winkel formen sich und nicht nur Flächen entstehen, Räume tuen sich auf. Musikalisch-kompositorische Prinzipien wie Rhythmus, Komplexität, Wiederholung und Zeit spielen im Arrangement ihrer Werke stets eine wichtige Rolle.

Für die Ausstellung linie fläche licht raum hat Carola Bark 22 neue Kleinformatige Mixed-Media-Collagen erarbeitet, drei Skulpturen und eine ortsspezifische Wandarbeit. In diesem neuen Werkzyklus nimmt sie Bezug auf die architektonischen Elemente der ADGB Bundesschule sowie auf die Farbkonzeption der fünf Wohntrakte – denen jeweils eine Farbe zugeordnet war, die sich dann in den einzelnen Stockwerken weiter differenzierte.

Die eigens für die Ausstellung entstandenen 3D-Fotografien von Gerd Pilz ermöglichen eine neue Sichtweise auf das Baudenkmal Bundeskunstschule Bernau: Rot-cyan-farbige Anaglyphenbilder sind nicht nur 3D-Erlebnisse, sondern auch formale Auseinandersetzungen mit Kompositionselementen. Mit Hilfe der 3D-Fotografie wird der gestalterische Grundgedanke der Architektur visuell erfahrbar. Die Komposition von Linien und Flächen und das Element Licht kommen durch die Simulation der Dreidimensionalität wesentlich zur Geltung, ermöglichen den Betrachter*innen das Eintauchen in den Raum.

Das Anaglyphenverfahren, welches eine plastische Wahrnehmung von Bildern durch deren physikalische Trennung ermöglicht, wurde bereits 1853 von Wilhelm Rollmann erfunden. Man benötigt also zwei 2D-Bilder, die man Rot und Cyan einfärbt und dann übereinanderlegt. Letztendlich entsteht „beim Einsatz einer speziellen, aus Komplementärfarben gebildeten Brille im Auge eine dreidimensionale Darstellung. [Das Anaglyphenverfahren] erweitert die flachen Muster ins Räumliche, verleiht dem Auge gleichsam die Möglichkeit, ins Bild hinein zu steigen und sich ganz auf die Konstruktion seiner Teile einzulassen. Vor allem Fotos mit mehreren Bildebenen lassen oft Vorder-, Mittel- und Hintergrund wie in einem Theaterguckkasten als hintereinander gestaffelt erscheinen“[1].

Die Technik der Anaglyphen-Fotografie ist für Gerd Pilz seit Jahren Mittel künstlerischer Auseinandersetzung. Wie die Technik der Aufnahme und Verarbeitung versetzter Teilbilder dazu führt, dass im Gehirn ein räumliches Gesamtbild entsteht, wird im Rahmen eines Workshops am Samstag, den 22. Juni 2019 durch den Künstler praktisch vermittelt.

Carola Bark wurde 1965 in Berlin geboren und studierte von 1995 bis 2001 Bildende Kunst an der Hochschule der Künste Berlin, wo sie zur Meisterschülerin ernannt wurde. Danach folgten Ausstellungen in nationalen Galerien in beispielsweise Berlin, Bonn und Hamburg, sowie internationale Arbeiten in Glasgow, Melbourne, Paris, Polen und Südkorea. 2009 stellte sie im Goethe Institut Vilnius aus. Im letzten Jahr waren ihre Werke u.a. in der Galerie Pankow unter dem Titel „Hommage à Marwan“ zu sehen. Sie wurde zwei Mal mit dem Projektstipendium der Käthe-Dorsch und Agnes-Straub-Stiftung ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Gerd Pilz wurde 1957 in Unna/Westfalen geboren und ist ausgebildeter Fotograf und staatlich geprüfter Fototechniker. Seit 1992 arbeitet er als freiberuflicher Fotodesigner. Er war an Einzel- und Gruppenausstellungen u.a. in Berlin, Kassel, Paris, Rostock oder Glückstadt beteiligt. Heute lebt und arbeitet er in Berlin und München, wo er an der Meisterschule für Fotografie des BSZ Alois Senefelder lehrt.

[1] Michael Nungesser in: Edition Carpentier 06, 2013 „Gerd Pilz- Anaglyphenverfahren“

Begleitprogramm zur Ausstellung

Es finden drei Workshops im Rahmen des Bauhaus-Labor mit Anne Mundo zum Thema Form und Funktion statt:
Sa, 8. Juni 11-13 Uhr | Mi, 12. Juni 17-19 Uhr | Sa, 15. Juni 11-13 Uhr

3D-Fotografie mit dem Anaglyphenverfahren
Workshop mit Gerd Pilz
Sa, 22. Juni 10-15.30 Uhr

Galeriegespräch
in Kooperation mit der Willkommensinitiative Bernau
Fr, 28. Juni 17 Uhr