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IRREGULAR MOVEMENTS

Katie Armstrong, Vincent Chomaz, Robert Tschöke
9. Juni – 27. Juli 2018

In ganz unterschiedlichen Medien begeben sich die drei Künstler*innen Katie Armstrong, Vincent Chomaz und Robert Tschöke in der Ausstellung auf die Suche nach äußerer und innerer Orientierung in einer bewegten Welt. Ihre Arbeiten widmen sich den Grenzen des Fassbaren und sind von metaphysischen und gesellschaftlichen Fragestellungen geprägt: Der künstlerische Blick richtet sich dabei gen Himmel, auf die Gesetzmäßigkeiten der Existenz und des Zusammenlebens und schließlich nach innen, auf die Psyche des Menschen.

Katie Armstrong, The heart of it, Filmstill, 2018

Als gemeinsamer Fixpunkt dienen die Gestirne, allen voran der sich stetig wandelnde Mond. Unbeirrt ziehen Himmelskörper ihre Bahnen, umkreisen und werden umkreist und sind damit ein verlässliches Phänomen am Himmel. Der Mond im besonderen beeinflusst mit seiner Anziehungskraft auch fundamentale Größen wie die Rotationsgeschwindigkeit und den konstanten Neigungswinkel der Erde, wodurch ein Leben auf unserem Planeten erst möglich wird. Und er hat den Ruf – ebenso wie auf das Meer mit seinen Gezeiten – auf Natur, Mensch und Tier direkten Einfluss auszuüben. Doch im Gegensatz zur regelmäßigen Bahn des Mondes, gerät sowohl das gesellschaftliche als auch das persönliche Leben des Einzelnen immer wieder aus den Fugen. Hilft hier der analytische Blick auf zwischenmenschliche Dynamiken und die eigene Lebensgeschichte? Oder braucht es Orientierung und Beistand durch naturwissenschaftliche Prinzipien und kosmische Zeichen?

Robert Tschöke (* 1984 in Berlin, lebt in Berlin) übersetzt in seinen Arbeiten naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Phänomene in handgefertigte skulpturale Formen. Physikalische oder astronomische Versuchsanordnungen werden zu Hybriden aus phantastischen Fabelwesen und Modellen vergangener Zukunftsvisionen. In seiner Arbeit Aussichtspunkt beispielsweise bewegt sich ein kleiner Lichtkegel mit Hilfe einer einfachen, motorisierten Holzkonstruktion tastend über die Wände der Galerie. Die Apparatur ist angelehnt an ein altes astronomisches Messinstrument, der Armillarsphäre, auch Weltmaschine genannt. Sie wurde seit dem Mittelalter benutzt, um die Positionen der Planeten zu bestimmen und trug damit maßgeblich dazu bei, den Übergang vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild durchzusetzen. Doch was fangen wir heute an mit dem stetig wachsenden Wissen über die Welt? Was suchen wir wirklich, wenn wir in die Sterne blicken? Das durch den Raum irrende Licht wird zum ziellosen Blick des Menschen ins Weltall, der vergeblich Antworten sucht über die eigene Herkunft, Existenz und Zukunft.

Auch Vincent Chomaz (*1981 in Paris, lebt in Berlin) erforscht mit seinen Arbeiten, wie der Mensch den ihm noch verborgenen Strukturen der Welt und seiner eigenen Identität näherkommen kann.
Der Künstler erschafft dabei in seinen konzeptionellen Werken stets ein Dazwischen von Materialität und Immaterialität, sowie Zustände zwischen Bewegung, Transformation und Stillstand, um die Grenzen des Wahrnehmbaren zu ergründen. So erwartet Chomaz’ Mond die Besucher*innen als nahezu unscheinbare, schweigende Beobachter*innen. A moon will rise (Ein Mond wird aufsteigen) besteht auf den ersten Blick nur aus einem einfachen, kreisförmigen Neonlicht, das scheinbar zu unregelmäßigen Zeiten von Geisterhand erstrahlt und wieder erlischt. Im Verborgenen folgt das Werk jedoch einem kosmischen Prinzip, nämlich der unumstößlichen Umlaufbahn des Mondes und seinem Erscheinen am Himmel. In einer Textarbeit widmet sich Chomaz außerdem den Grenzen und Möglichkeiten von Schrift und Sprache sowie deren Übersetzung.

In dem Animationsfilm The heart of it (Herzstück des Ganzen) von Katie Armstrong (*1988 in New York, lebt in New York) schließlich tritt der Mond als mystischer Sehnsuchtsort und wegweisende Freundin zugleich auf. Armstrongs zarte Aquarelle reihen sich zu rotierenden Gestirnen, flirrenden Wasseroberflächen und verschwimmenden Gesichtern aneinander. Bilder, Sprache und Gesang führen die Betrachter*innen in einer Art poetischer Meditation gleichzeitig zu sich selbst und zueinander. Die Existenz des Einzelnen wird eingebettet in die schier endlose Gleichzeitigkeit von Handlungen, Gefühlen und Schicksalen – mal trivial, mal tragisch. Ist alles miteinander verbunden oder kämpft jeder für sich allein?